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Kardiologie & Gefäßmedizin
Lungenödem : Diagnose
Lungenödem
Definition
Rascher Übertritt seröser Flüssigkeit aus den Lungenkapillaren in die Alveolarwand und das Alveolarlumen.
Ursachen
Der pulmonale Kapillardruck überschreitet den onkotischen (kolloidosmotischen) Druck des Blutes (24mm Hg)
Kardiovaskulär
- Akutes Versagen des linken Ventrikels (Hypertonie oder Blutdruckkrisen, Herzinfarkt, Aortenklappenfehler, koronarsklerotische Kardiopathie, Mitralklappenprolapssyndrom, Mitralklappenabriss)
- Mitralstenose, wenn es zu plötzlicher Erhöhung des pulmonalen Kapillardrucks bzw. Lungenvenendrucks kommt. Chronisch erhöhter pulmonaler Kapillardruck führt in der Regel wegen sekundärer Gefäß- und Alveolarwandveränderungen nicht zum Lungenödem.
- Compliancestörung bei Linkshypertrophie ohne Linksherzinsuffizienz, aber kleinem Ventrikel und erhöhter Wandsteifheit (z. B. Aortenstenose, hypertrophe Kardiomyopathie, Hypertonie). Cave: Digitalis!
Erhöhung der Kapillarwandpermeabilität (PC < 18 mm Hg)
- Infektiös: z.B. bei Pneumonie, Grippe, Nephritis und septischen Erkrankungen
- Allergisch: z.B. Medikamente, Insektenstiche
- Toxisch: z.B. Vergiftungen mit Kohlenmonoxid, Stickstofflost, Phosgen, E605, Nitritdämpfen, Sauerstoff im Überdruck
- Mechanisch: z.B. Entlastungsödem nach Pleurapunktion
- Neurogen: z.B. Meningitis, Schädel- oder Hirntrauma, Apoplexie
- Hypoxisch mit sekundärer intravaskulärer Drucksteigerung: z. B. Höhenlungenödem
Symptome
- Häufig nachts auftretend
- Beginn mit Hustenreiz und Atemnot, es folgen schwerste Dyspnoe und Orthopnoe
- "Rasseln in der Brust"
- Bei voller Ausbildung schaumiges weißes oder rosa tingiertes Sputum
- Häufig Schockzustand mit Kreislaufzentralisation und Zyanose
Diagnostik
- Feuchte feinblasige Rasselgeräusche über beiden Lungen, anfangs basal, später ubiquitär
- Klopfschall meist hypersonor
- Blutdruck wechselnd, nicht selten initial erhöht
- EKG: meist eindeutige Schädigungszeichen linksventrikulärer Lokalisation oder Infarktsymptome (für die Diagnose des Lungenödems unwichtig!)
- Röntgen
- Stauungszeichen der Lungen bzw. Bild der "fluid lungs"
- Einfache pulmonalvenöse Stauung: Blutumverteilung in die Oberlappen (Pulmonalkapillardruck 10-18mm Hg)
- Interstitielles Lungenödem: Kerley-B-Linien, verwaschene Hiluszeichnung, Verdickung der Bronchialwände (Pulmonalkapillardruck > 18mm Hg)
- Intraalveoläres Ödem: konfluierende Verschattungen, "fluid lungs" (Pulmonalkapillardruck > 24mm Hg)
Verlauf
- In günstigen Fällen spontanes Verschwinden
- Adäquate Therapie beseitigt das Lungenödem meist innerhalb von 1-2 Stunden
- Bei Fortbestehen der Grundkrankheit Gefahr des erneuten Auftretens
- Bei foudroyantem oder therapeutisch unbeherrschbarem Verlauf Erstickungstod








